Sonntag, 23. Februar 2014

Bauernhoftiere im ZOO?!

Neulich waren mein Mann und ich im Zoo. Mittlerweile gehen wir meist ohne unsere Söhne (13 und 16). Was zieht uns hierher? Zum einen wahrscheinlich nette Erinnerungen an die Zeit, als wir mit den Kindern hier schöne Stunden verbracht haben. Dann gefällt uns der Zoo Hannover einfach aufgrund der Gestaltung der Gehege und wegen seiner Architektur. Man hat das Gefühl, eine Reise durch verschiedene Erdteile zu machen. Bei Yukon Bay in Nordamerika legen wir eine Kaffeepause ein und genießen den Sonnenschein. Wieder in Niedersachsen ankommen bei Bauer Meyers Hof bewundern wir Bauernhoftiere aller Art: vom Huhn über die Ziege zum Pferd. Und mein Mann stellt die ketzerische Frage: Geht man in Zukunft in den Zoo, um Bauernhoftiere anzuschauen?
Ja, wie wird das Kennenlernen von heimischen Nutztieren in Zukunft aussehen?! Wobei dann noch der Begriff „heimische Nutztiere“ zu klären wäre, wenn mittlerweile in unseren Breitengraden Strauße als Nutztiere gehalten werden, die man in vielen Zoos in der Afrikasektionbewundern kann.
Werden Kinder in Zukunft unsere alten Bauernhoftiere „nur“ noch aus zweiter Hand über Bilderbücher und Zoospiele im Netz kennen? Und gehen wir dann zum Kennenlernen von Huhn, Schaf und Rind in den Zoo? Ketzerisch möchte ich antworten: ja, wohin denn sonst. Wo wollen wir denn Hühner sehen? In den Ställen der Massentierhaltung? Und wer hat in den letzten Jahren Schweine auf einer Weide/in einer Suhle zu Gesicht bekommen?
Okay, mit Rindern mag es anders aussehen: die stehen immer noch mal wieder auf der Weide. Und Pferde auch, zumindest in der Nähe von Reiterhöfen (welcher Bauer hält sich heute noch Pferde als Arbeitstiere, die PS hat der Traktor und nicht das Tier: wir sind doch nicht in Rumänien!). Naja, es gibt schon ein paar Landwirte, die Pferde halten. Aber meist zum Reiten. Für den Eigenbedarf oder für zahlende Gäste. Und damit rückt der Bauer eher in die Rolle eines Gastgebers, sei es als Reiterhofbetreiber oder als Tourismusbetrieb für Urlaub auf dem Bauernhof.
Seien wir mal ehrlich, wer von uns in der Elterngeneration zwischen 30 und 50 kennt noch Buttern im Butterfaß, Heuernte und die Schlachtung von Nutztieren persönlich? Doch, doch, einige von uns kennen das noch. Mein Mann kennt Heuernte und praktische Anwendung eines Butterfasses vom Urlaub auf dem Bauernhof in der eigenen Kindheit. Und ich durfte bei Aufenthalten in der Verwandtschaft auf einem Bauernhof sogar bei der Kartoffelernte helfen. Als ich eines Tages um die Ecke bog auf dem Weg zur Scheune, erwartete mich das Schwein, diesmal sogar in zwei Teilen, geschlachtet und zum Ausbluten an die Scheunentore gehängt.
Aber auch in unserer Jugend in den 70er Jahren war die alte Bundesrepublik durch ein Höfesterben gekennzeichnet. Und das Leben auf dem Bauernhof kennen auch nicht wenige von uns eher aus Heimatfilmen denn aus der Realität.
Ich finde es nach wie vor wichtig, dass unsere Kinder auch in Zukunft unsere alten Bauernhoftiere aus eigenem Erleben kennen. Dazu können Ferien auf dem Bauernhof ebenso beitragen wie Schaubauernhöfe, die ein pädagogisches Angebot machen, wie meinetwegen auch Bauernhofsektionen im Zoo.
Ist dies der wahre Grund, warum in einem dänischen Zoo die Giraffe Marius getötet und vor den Augen der Zuschauer zerteilt wurde? Ging es hier darum, Städter wieder an das Phänomen Schlachtung zu gewöhnen?! www.bild.de[23.2.2014] 

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