Sonntag, 23. März 2014

Naturwissenschaften im Kindergarten zwischen Themen der Kinder und Themen der Erwachsenen

Der Kindergarten hat in den letzten Jahren einen weit reichenden Wandel erlebt: er wurde zunehmend als Bildungsinstitution wahrgenommen, in der auch die Naturwissenschaften ihren Platz fanden. Dazu hat das schlechte Abschneiden Deutschlands bei internationalen Vergleichsstudien und der Fachkräftemangel in Natur- und Ingenieurwissenschaften beigetragen. Dementsprechend sehen die Bildungspläne aller Bundesländer auch den Bildungsbereich Naturwissenschaften vor.
Außerdem entstanden zahlreiche Initiativen zur Entwicklung von Materialien für naturwissenschaftliche Experimente und Fortbildungen für die pädagogischen Fachkräfte, die die Kinder im vorschulischen Bereich an Naturwissenschaften heranführen sollen. Exemplarisch seien genannt:
•    Haus der kleinen Forscher, Berlin
•    Forscherstation, Klaus-Tschira-Kompetenzzentrum für frühe naturwissenschaftliche Bildung, Heidelberg
•    MINT-Zentum-Elementarpädagogik, Öhringen.
Eine Aufstellung weiterer Initiativen findet sich bei ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen (o. J.).

Wie kann vor diesem Hintergrund in der KiTa der Bildungsbereich Naturwissenschaften erfolgreich umgesetzt werden angesichts der vielen anderen Lernfelder und Aufgaben der pädagogischen Fachkräfte und unter Berücksichtigung der kindlichen Weltaneignung?
Als Hilfestellung für die pädagogischen Fachkräfte habe ich ein Konzept zur naturwissenschaftlichen Bildung im Jahreslauf entwickelt. Dabei wurde Wert gelegt auf die Einbettung der Naturwissenschaften in die Jahreszeiten und in den Jahresablauf (inkl. Feste) im Kindergarten.
Das Konzept orientiert sich am Bildungsansatz von Laewen und Andres (Andres, Laewen & Pesch 2005), der zwischen Bildung und Erziehung unterscheidet. Unter Bildung werden die Aktivitäten des Kindes in Form von Selbstbildung verstanden. Das Kind arbeitet jeweils an seinen eigenen Themen. Die Erwachsenen können diese Selbstbildung des Kindes durch ihre Erziehungstätigkeit unterstützen und beeinflussen. Sie können im Rahmen der Erziehung zum Beispiel die Umgebung der Kinder gestalten oder den Kindern auch „Themen zumuten“ (ebd., 18), mit denen sich diese nicht aus eigenem Antrieb beschäftigen würden. In den Handreichungen des Ministeriums für Bildung und Frauen des Landes Schleswig-Holstein (2005) werden als „Ausgangspunkte für die Auswahl von Bildungsthemen“ (ebd., 8) im Bildungsbereich Naturwissenschaften zwei Möglichkeiten unterschieden: einerseits alltägliche Situationen als  Ausgangspunkt für die Bearbeitung der Themen der Kinder, andererseits kann „das Bildungsthema direkt als >Zumutung< an die Kinder“ (ebd., 8) herangetragen werden.
Dementsprechend werden sowohl Themen der Kinder aufgenommen (wie Mischen von Sand und Wasser, Sieben von Sand), als auch Themen als Zumutung an die Kinder herangetragen.
Methodisch orientiert sich das Konzept an den Prinzipien der Montessoripädagogik.

Literatur
Andres, B., Laewen, H.-J. & Pesch, L. (Hrsg.). (2005). Elementare Bildung:  Handlungskonzept und Instrumente (Band 2). Weimar: das netz. Verfügbar unter http://www.mbjs.brandenburg.de/sixcms/media.php/5527/Ordner_2.pdf [23.3.2014]

Ministerium für Bildung und Frauen des Landes Schleswig-Holstein (Hrsg.). (2005). Erfolgreich starten: Handreichung für Mathematik, Naturwissenschaften und Technik in Kindestageseinrichtungen. Verfügbar unter http://www.schleswig-holstein.de/MSGFG/DE/Service/Broschueren/Kita/HandreichungMatheNaturTechnik__blob=publicationFile.pdf [23.3.2014]

ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen (o. J.). MINT-Atlas 3-10 für Deutschland. Verfügbar unter http://www.znl-mintatlas3-10.de/ [23.3.2014]

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